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Legacy Nr. 34, Nov/Dez 2004

1. nachdem ihr bereits seit 1997 aktiv seid, sind ja 3 Veröffentlichungen nicht so viel - woran liegt das, habt ihr so einen hohen Eigenanspruch oder fehlte es einfach an der Zeit / Gelegenheit?

Velnias: Unser Veröffentlichungszyklus entspricht nun einmal nicht den kommerziell ausgeschlachteten Mastschweinen. Als Selbstfinanzierte sowie Selbstproduzierte Black Metal Horde sind wir unser eigener Herr, wir bestimmen wann, was und vor allem wie etwas veröffentlicht wird. Es ist weder mangelnde Kreativität noch Zeit, es ist einzig die tief greifende, absolute Schöpferische überzeugungskraft eigene musikalische Manifestationen einer extremen Stilrichtung mit reinem Verstand und Herzen zu präsentieren. Darüber hinaus sind es nicht drei sondern vier offizielle Veröffentlichungen an der Zahl. Schließlich erntet eine Split mini LP ebenso viel Aufmerksamkeit und Rechtfertigung seiner Existenz wie ein komplettes Album. Aufgrund der Tatsache das der "Markt" sich in einen überfluteten, stinkenden Morast gewandelt hat, kann spielend behauptet werden das unser "Eigenanspruch" sowie das Streben nach einer best möglichen, professionellen Umsetzung des individuellen nicht nur rein musikalischen Gedankengutes oberhalb des herkömmlichen Standards liegt. Slaughtercult ist keine "Band" um den "Musiker" zu befriedigen! Slaughtercult ist eine Horde deren Individuen lediglich die "Musik" als Kanal zur Bündelung extremen Gedankengutes nutzen.

2. Am Labelinteresse scheint es ja nicht zu mangeln- warum habt ihr euch trotzdem entschieden, die bisherigen Alben (zumindest erst mal) in Eigenregie zu veröffentlichen?

Velnias: Diverse Major- sowie Minor Labels aus der weltweiten "Szene" haben im Verlauf der blasphemischen Existenz Slaughtercult's Ihr Interesse an einer vertraglichen Zusammenarbeit bekundet. Doch wir sind unser eigener Herr, wir halten die Schicksalsfäden eisern in unserer eigenen Hand. Einzig wir, die dominante, schöpferische, antreibende Kraft hinter dem Slaughtercult entscheiden wann, was und wie etwas veröffentlicht wird. Aufgrund von persönlichen, außergeschäftlichen Kontakten können wir ruhigen Gewissens auf die Zusammenarbeit mit würdigen "Labels" in Bezug auf Vinyl und Tape Versionen zurück greifen, ohne den üblen Beigeschmack zu haben, dass es jemand einzig wegen dem Profit macht. Wir haben erfolgreich starke Vertriebspartner unserer Wahl gefunden. Somit ist Slaughtercult als Underground Horde der lebende Beweis dafür, dass Plattenvertragsmangel alles andere als ein Mangel an musikalischer und audiotechnischer Qualität bedeutet.

3. eine Frau als Sängerin und Gitarristin ist ja im Black metal äußerst ungewöhnlich - welche Reaktionen habt ihr bisher von Seiten der Black metal Fans oder auch bei Konzerten damit geerntet?

Velnias: Als Antwort zunächst eine bildhafte Gegenfrage: Spielt es wahrhaftig eine Rolle ob der Tod auf dem Schlachtfeld nun weiblicher oder männlicher Natur ist? Weiterführend verinnerliche man sich das der "Tod" als Sinnbild einer okkulten Macht nicht ein einziges Gesicht, oder nur eine einzige Form besitzt. Weicht man von einer nur allzu menschlichen, oberflächlichen Geschlechtsreduzierung ab wird man unweigerlichen erkennen das es multiple Formen, individuell ausgeprägt in Ihrer Art und Weise, gibt. Somit achtet und respektiert Slaughtercult nicht das Geschlecht sondern das Individuum, das selbst gekrönte Ich, jenes erst nach ablegen der alltäglichen Masken zum Vorschein kommt. Eine solche Denkweise stößt selbstredend irgendwann auf Unverständnis, doch werden Ungläubige und Zweifler spätestens nach einem Live Erlebnis, bzw. einer Hörprobe, schnell vom Gegenteil überzeugt. Das viel gepriesene, hochgeschätzte, "gekrönte Ich" bewegt sich jenseits der herkömmlichen Menschlichen Masse.

4. ich habe euch live noch nie gesehen, habe aber gelesen, daß ihr viel mit okkulter Symbolik arbeitet - kannst du mal beschreiben, was die Leute bei einem live Gig von euch so erwartet?

Velnias: "Wege die unablässig weiterführen enden auf dem Schlachtfeld". Konzerte werden ebenso mit vollster überzeugung ausgeführt wie reguläre Studioveröffentlichungen. Es sind blasphemische Zelebrierungen des Black Metals, unverkommen in Ihrer Essenz. "Musik", die einen extremen "Geist" beherbergt verliert Ihr "Gesicht" wenn Sie live einfach nur dargeboten wird. Sie vermag es aber all Ihre Kraft und Energie frei zu setzen wenn Sie mit schierer überzeugungskraft eines jeden involvierten ausgelebt wird. Slaughtercult hinterlässt verbrannte , klaffende und blutige Spuren. Spuren einer infernalischen Zusammenkunft auf der Bühne. Black Metal ist eine extreme Variante musikalischer Manifestationen. Slaughtercult repräsentiert "pure fucking Black Metal".

5. den interviews auf eurer seite entnehme ich, daß für euch okkultismus / satanismus mehr ist als nur ein imagegimmick - kannst du mir deine definition / auffassung des satanismus etwas genauer erläutern?

Onielar: Als Individuum auf einem geistigen Pfad liegt die Definition des Satanismus, des Okkultismus und der Magie im eigenen Gefühl begründet. Unweigerlich ist es in unserem absolut Innersten fest verankert. Es fließt durch unsere Adern. Mit jeder Erkenntnis, mit jeder Qual, mit jedem erleben von Macht flammt unsere Lebensenergie höher. Wir zelebrieren mit Darkened Nocturn Slaughtercult sämtliche Komponenten der gesamten Bandbreite des Okkultismus. Jeder der das Verständnis der Notwendigkeit eigener Definitionen in sich trägt wird einsehen warum an dieser Stelle keine weiteren Aussagen notwendig sind. Wer diese Erkenntnis erlangt hat, wird spielend das aufgesetzte Image diverser Bands von den wenigen Unterscheiden können, die sich wahrhaftig Gedanken gemacht haben.

6. bedingen sich für euch Satanismus und Black Metal? Was macht richtigen Black Metal für euch aus?

Velnias: Es gibt weder Ruhm noch Reichtum innerhalb Black Metals. Black Metal ist ein nicht Herdenorientiertes Prinzip. Black Metal verkörpert die allgegenwärtige "hässliche" Seite des Lebens. Diese Aspekte werden leider immer wieder von diversen Formationen missbraucht. Ein Fakt der unweigerlich zur Verweichlichung der Musik in Form von melodiösen Verunstaltungen, lyrisch belanglosen Politikgeschwafel und Hochglanz Fotostudio Sitzungen führt. Black Metal in seiner reinen, unverdorbenen Essenz wird nie mehr als einen minimalen Kreis ansprechen. Es ist ein individueller Pfad der sich nach eigenen Gesetzen und Definitionen windet. Auferlegte oberflächliche Definitionen wie "Satanismus" verlieren hier Ihre Bedeutung. Das Wort selbst dient einzig als eine Art Platzhalter für eine neu geschaffene Definition, die sofern die oberste Schicht abgetragen wurde eine gänzlich neue Welt mit gänzlich neuen Werten aufweist. Artet dieser Gedankengang nicht unweigerlich in dem Resultat aus, dass wahrer, aufrichtiger Black Metal einen spezifischen Geist, eine gewisse Atmosphäre verinnerlicht? Der Ursprung dieser musikalischen Seele ist von minderer Bedeutung, wichtig ist nur das es sie gibt - stetig präsent in einer kompletten audio-visuellen Veröffentlichung eines Albums oder eines Live Auftrittes.

7. angesichts dessen, daß ihr ja jetzt schon einige Jahre aktiv seid - wie beurteilst du die Entwicklung des Black metal in den letzten Jahren? Welche Bands kannst du noch schätzen?

Onielar: über die Jahre hinweg wurde eine miserable Wendung im Black Metal vollzogen, die nicht als Entwicklung bezeichnet werden sollte. Durch nichts anderes als Kommerz, Eigenprofilierung, Toleranz, Verlangen nach Massenkompatibilität und Gruppenzugehörigkeit sowie politische, menschliche Verseuchung einer "Musik", vielmehr eines Gefühls, wurde einer extremen stilistischen Musikrichtung der ursprüngliche Geist genommen. Somit wird diese "Musik" mittlerweile für etwas benutzt, für das es niemals bestimmt war. Es hat sich ein Sumpf voller Abschaum gebildet, in dem es fast schon unmöglich scheint akzeptable Formationen zu finden. Es gibt sehr wenige denen wir unsere Bewunderung aussprechen könnten. Auf eine stumpfe Aufzählung wird hier verzichtet, da sich diese Bands aus eigenem Antrieb vollkommen ohne unser zu tun entwickeln, bzw. entwickelt haben.

8. eure musik ist ja sowohl aggressiv wie auch sehr atmosphärisch - welche emotionen / reaktionen würdet ihr euch beim hörer wünschen, wenn er eure cds hört?

Onielar: Erwartungen hegen wir absolut keine. Slaughtercult muss sich niemanden beweisen oder rechtfertigen. Primär unsere Erwartungen, dass zuvor empfundene Gefühl oder auch Gedankengut in Musik umzusetzen muss erfüllt werden. Musik in all seiner Vielfalt, ist wie Kunst im allgemeinen Sinn, eine individuelle Wahrnehmung. Ihre Interpretation basiert auf Empfindungen eigener Wahrnehmungsebenen. Den geneigten Hörer, der sich mit dieser Art extremer Musik, somit schlussendlich extremen Gedankengutes identifizieren kann, hoffen wir bald vor unserer blutigen Bühne begrüßen zu dürfen.

9. Was ist denn für die nahe Zukunft der Band geplant?

Velnias: Die nahe Zukunft wird primär weitere Live Schlachten mit sich führen…

10. irgendeinen last comment / etwas essentielles, das ich vergessen habe?

DNS:
Kontaktaufnahme:
Slaughtercult
c/o Onielar/Velnias
Lerchenweg 5
41540 Dormagen

http://www.slaughtercult.de

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