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short version (scroll down for original, full length interview):

Rock Hard Nr. 222, (11/2005)

Ihr aktuelles Album "Nocturnal March" ist ein Massaker der alten Schule. Ihr Auftritt beim Partysan Open Air kann man mit einem simplen Wort beschreiben: Hölle! DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT, eine der heftigsten Schwarzmetallkapellen des hiesigen Undergrounds, wollen mit Kommerz, Keyboard und Kohle nichts zu tun haben und zeigen den Whimps von der Hochglanzpresse aus Überzeugung den Stinkefinger. Da können wir von Glück sprechen, dass sich Gitarrist Velnias mit bilderreicher Sprache trotzdem für uns Zeit genommen hat.

Velnias, obwohl ihr eine Black-Metal-Band der alten Gangart seid, im CD-Artwork und im Bandlogo Symboliken wie Pentagramm und umgedrehte Kreuze zu sehen sind, drücken eure Songtitel keinen plakativen Religionshass aus. Worum geht es in euren Songs?»Texte mit höheren Inhalten sind uns wichtiger als erbärmliches "Gott ist dies, Satan ist das." Natürlich umfassen unsere Texte auch reines, in seiner Essenz pures Antichristliches, aber die lyrische Basis ist eigene Erfahrung mit dem Okkulten sowie eine individuelle, misanthropische Lebensphilosophie. Oder um es mit einem alten Zitat zu beantworten: "Grim, Dark And Evil..."«

Bei einigen Songtiteln eures Albums "Nocturnal March" müsste ich Nachhilfestunden in Geschichte und Geographie nehmen. Tulwod, Saldorian Fields - handelt es sich um reale Orte, oder entstammt die eurer Fantasie? »Um es bildhaft auszudrücken: Vor rund acht Jahren verkündeten die Vorboten der Apokalypse die Ankunft eines neues Sturms, die Ankunft von reinigenden Winden, der Menschheit Ende. Die Vorboten sprachen die verschiedensten Sprachen - und so bedienten wir uns der deutschen, polnischen, englischen und lateinischen Sprache. Allerdings erreicht man mit gängigen Sprachen recht schnell das Limit, um einen Gedanken oder eine Emotion sinnvoll zu beschreiben. Aus diesem Grund schöpfen wir aus dem Reichtum der Neologismen, die neben der Musik selbst eine der mächtigsten Sprachen sind.«

"Nocturnal March" wurde Ende 2003 bis Anfang 2004 produziert. Sprich: Eure aktuellen Songs sind straffe zwei Jahre alt. Wie klingt ihr anno 2005 tatsächlich? »Wir sind an kein Label gebunden. Deshalb können wir dann ein Album herausbringen, wenn es wirklich fertig ist. Zwischen der Vorgängerplatte "Follow The Calls for Battle" und "Nocturnal March" waren es sogar drei Jahre! Wie die nächste Platte klingen wird? Es wird ein weiteres Album aus dem Underground für den Underground unter dem Banner des pure fucking Black Metal!«

Welche Black-Metal-Bands haben euch als Musikhörer zuerst fasziniert, und welche Bands haben euch als Musiker beeinflusst? »Unschwer zu erraten ist, dass vor allem die skandinavischen Urväter uns geprägt haben. Nichts, absolut gar nichts kommt heutzutage an Klassiker wie "Diabolical Fullmoon Mysticism" und "Pure Holocaust" von Immortal oder an die frühen Alben von Emperor, Enslaved und Ancient heran. Diese Bands hatten in ihren besten, frühen Tagen Meisterwerke erschaffen. Im Gegensatz zu einem Haufen der heutigen Veröffentlichungen auf einem komplett übersättigten Markt wurden diese Alben noch von einem spürbaren, mystischen Geist erfüllt. Die Trilogie von Ulver ist ein weiteres würdiges Beispiel für musikalische Genialität.«

In musikalischer Hinsicht erinnert ihr mich an alte Satyricon zu "Dark Medieval Times"-Zeiten sowie an Gorgoroth, an Darkthone zu "Under A Funeral Moon"-Zeiten sowie an frühe Immortal. Allerdings geht ihr sogar noch einen Tick roher vor als diese Bands, und sozusagen "deutscher", da euer Sound auch 80er Thrash-Einflüsse aufweist. »Nichts kann die bereits angedeutet Ausdruckskraft der genannten Alben übertreffen! Es ist unser Bestreben, der alten Tradition einen würdigen Nachfolger zu bescheren. Kein reines Plagiat, sondern Musik mit dem notwendigen Funken Eigenständigkeit!«

Wie viele Menschen wundern sich regelmäßig, dass ihr eine Sängerin habt? Wird euch eure Sängerin und Gitarristin Onielar als Vor- oder Nachteil ausgelegt?

»Es ist uns absolut scheißegal, ob man uns Onielar als Vor- oder Nachteil auslegt! Slaughtercult bestehen aus vier Individuen - zusammen stehend Schulter an Schulter, Schwert bei Schwert und Axt bei Axt! All die dreckigen Menschlein, die eine Band auf Geschlechter reduzieren, haben den Sinn von Slaughtercult nicht begriffen. Aus musikalischer Sicht betrachtet, übertrifft Onielars Kreischen spielend einen Grossteil der internationalen Szene. Ein Vergleich, das zu untermauern: Höre dir mal eines der neueren Immortal-Alben an. Wenn die frühen Alben der Band dir etwas bedeuten, wirst Du sagen: Das kommt mir irgendwie bekannt vor, keine Ahnung, welche Band das ist - aber die Stimme IST von Abbath. Die Stimme ist die audiovisuelle Darstellung der lyrischen Inhalte. Das ist eine Gemeinsamkeit zwischen Onielar und Abbath.«

Metal hat - im Gegensatz zu anderen Musikstilen - eine große und recht gut funktionierende Infrastruktur mit vielen Fanzines, Onlinemedien und Magazinen. Werden diese Medien deiner Meinung nach ihrer Aufgabe gerecht, oder hast du Kritikpunkte an der Metalpresse? »Wir gehören zu der Kategorie, die allerhöchstens die ersten Ausgaben des "Ablaze" im Schrank aufbewahrt. Es gibt darüber hinaus hier und da im Underground lobenswerte Zines. Wegen geringer Leserschaft mangelt es jedoch an den finanziellen Möglichkeiten für eine Hochglanz-Aufmachung. Dafür sind diese Zines beinahe wörtlich mit dem Blut des Herausgebers interessanter geschrieben. Wenn du meine ehrliche Meinung zum Rock Hard möchtest: In die gleiche Liga kannst du das Legacy, und wie sie nicht noch alle heißen, stecken! Achtzig Prozent der jeweiligen Inhalte sind für uns einfach nur belanglos. Zehn Prozent sind Lachnummern, da hier immer wieder die Labels ihre Vertragspartner als großartigsten Black Metal anpreisen, das ganze illustriert mit schön zurechtgemachten Bildern der letzten Fotosession. Bah, so eine polierte Scheiße! Oder wenn man sich anschaut, wie viel moderner Müll, der sich Nu-Metal nennt, Hardcore und Rap mit Metal vereint, und dann noch in Metal-Zeitschriften behandelt wird. So was kann man einfach nicht unterstützen, wenn man beim Aufschlagen der Zeitung einen Brechreiz bekommt. Sollten jemals die Tage eines "Slayer"-Magazins wieder kommen - alle skandinavischen Black Metal Bands vereint in einer Ausgabe - dann werden wir die ersten sein, die das Blatt abonnieren.«

Black Metal aus Deutschland gilt in anderen Ländern nicht gerade als Qualitätsmerkmal. Welche deutschen Black-Metal-Bands verdienen es, an dieser Stelle genannt und gelobt zu werden? »Welche Szene ist denn die beste? Aus Norwegen, Brasilien, Frankreich, aus jedem gottverlassenen Kontinent kommt ebenso viel inhaltlicher Dreck wie aus Deutschland. Die sogenannte Szene ist ein fauliger Morast, überschwemmt von überflüssigen Veröffentlichungen. Knietief in der Scheiße muss man sich vorankämpfen, um irgendwo im dämmrigen Lichtstrahl ein kleines Juwel zu entdecken.«

Möchtest du, bei aller Abneigung, dennoch unseren Lesern etwas auf den Weg mitgeben? »Der Suchende wird uns finden, wir ziehen auf unserem unabänderlichen Pfad in Blut durch Magie zur Nacht. Wir sind nicht auf der Suche nach euch!«

Wolf-Rüdiger Mühlmann




Full Length original version:

1. Obwohl ihr eine Black-Metal-Band der alten Schule seid, im CD-Artwork und im Bandlogo die entsprechenden Symboliken habt (Pentagram, umgedrehtes Kreuz etc.) drücken eure Songtitel kein plakatives Antichristentum / keinen allgemeinen Religionshass aus. Sehe ich das richtig? Wenn ja, worum geht es in euren Songs?

DNS: Es gibt diverse Abarten - eitrige Geschwülste, die im laufe der Jahre den einstigen Black Metal verunstaltet haben. Die "alte" ursprüngliche Symbolik ist mit Ihren nach außen hin offensichtlichen Werten, verknüpft mit den idealen einer eigenen Lebensauffassung. Durch das stetige Hinterfragen bereits vorgefertigter, menschlicher Definitionen - durch das konstante Neu-Definieren lässt sich also der Geist auf eine höhere Ebene polen. Der gefesselte Flug der "alten Schule" wird spielend gebrochen, in dem alten Werten eine gänzlich ureigene Weltanschauung entgegengebracht wird. Im Klartext bedeutet das Slaughtercult strebt nach Lyrisch höherem Inhalt als reines, erbärmliches, menschliches "Gott ist dies, Satan ist das". Durchaus umfasst die Spanne der Thematik auch reines, in seiner Essenz pures "Anti-Christliches" Ideengut. Als oberste Regel gilt - die eigene, selbst erlebte Erfahrung mit dem Okkulten dient als Basis für die lyrischen Grundmauern. Oder um es mit einem Zitat der alten Schule zu beantworten:"Grim, Dark and Evil".

2. Anhand der Songtitel von "Nocturnal March" müsste ich Nachhilfestunden in Geschichte und Gesographie nehmen. Tulwod, Saldorian Fields - Orte in der Realität oder entstammt das eurer eigenen Fantasie?

DNS: Bildhaft ausgedrückt - vor gut 8 Jahren verkündeten die Vorboten der Apokalypse die Ankunft eines neuen "Sturmes", die "reinigenden Winde", der Menschheit Ende. Dieser Vorboten Sprachen waren in Zahl viele, ebenso bediente sich Slaughtercult seid Anbeginn aus dem Deutschen, Polnischen, Englischen und Lateinischen Wortschatz. Menschliche Sprachen allerdings erreichen recht schnell das Ende ihres Vokabulars um einen Gedanken, oder eine "Emotion" - einen Seinszustand jenseits der mentalen Abgründe sinnvoll zu beschreiben. Aus diesem Grund schöpft DNS aus dem unermesslichen Reichtum der Neologismen, die neben Musik selbst eine der mächtigsten Sprachen ist. Fantasie für den der die Existenz einer minimalen, dualistischen Weltanschaung verneint - das "Paradies" für den Werdenden, jener auf seinen "Wanderungen" sein zu Hause gefunden hat: "Saldor" !

3. "Nocturnal March" wurde Ende 2003, Anfang 2004 aufgenommen. Sprich: Die Songs sind bereits straffe 2 Jahre alt. Gibt es neueres Material für eine neue CD - und wie klingt ihr im Jahr 2005 tatsächlich (im Vergleich zu "N.M.")?

DNS: Aufgrund unsere Label-Unabhängigkeit - Ausnahme bilden hier Kommissionsverträge - sind wir in der Lage ein Album dann raus zubringen wenn es fertig ist. Zwischen dem Vorgänger Album "Follow the Calls for Battle" und dem dritten Kapitel "Nocturnal March" waren es sogar 3 Jahre! Kontinuierlich arbeiten wir an neuem Material, doch behalten wir nur das mit dem wir selbst 100% zufrieden sind. Einen verbalen Vorgeschmack auf das am Horizont aufwartende neue Album?? Man nehme die eher rohe Brutalität von "Follow", sowie die Reife "Nocturnal March"s und dazu die stets, noch immer vorhandene Leidenschaft für rohen, kompromisslosen Black Metal von "The Pest Called Humanity" - das Resultat!? Ein weiteres Album vom Underground für den Underground unter dem Banner des "pure fucking Black Metals"!

4. Welche Black-Metal-Bands haben euch als Musikhörer zuerst fasziniert, und welche Bands haben euch als Musiker beeinflusst?

DNS: Unschwer zu erraten ist der Fakt, dass unser Geschmack vor allem durch die "Skandinavischen Urväter" geprägt wurde. Nichts, absolut gar nichts kommt Heutzutage an Klassiker wie Immortal's "Diabolical…" oder "Pure Holocaust". Emperor, Enslaved, Ancient, … alles "Bands", die in Ihren besten frühen Tagen wahrliche Meisterwerke erschuffen. Im Gegensatz zu einem Haufen der Heutigen Veröffentlichungen auf einem komplett übersättigtem "Markt", wurden diese Alben noch von einem spürbaren, mystischen Geist erfüllt. Ulver's Trilogie ein weiters würdiges Beispiel für musikalische Genialität. Ein Grossteil dieser Individuen ist erst im Laufe der Jahre zu einem "Musiker" gereift, zuvor herrschte das, was für Musik wichtig ist - frei und unbeschwert aus dem Gefühl, der Leidenschaft heraus.

5. Ihr erinnert mich ein wenig an alte Satyricon (zu "Dark Medieval Times"-Zeiten) sowie an Gorgoroth, Darkthone (zu "Under A..."-Zeiten) und frühe Immortal (zu "Pure Holocaust"-Zeiten) - allerdings geht ihr sogar noch einen Tick roher vor als diese Bands - und "deutscher", da ihr auch 80er Thrash-Einflüsse habt. Siehst du das ähnlich, oder liege ich völlig falsch?

DNS: Es ist eine Ehre solche Vergleiche zu hören - selbst wenn es nicht das erste mal vorkommt - bleibt nach wie vor der Vergleich im Schatten stehen. Nichts absolut nichts kann die bereits angedeutet Ausdruckskraft vergangener Alben übertreffen! Es ist unser Bestreben der alten Tradition einen würdigen Nachfolger zu bescheren - kein reines Plagiat, immer noch mit dem notwendigen Funken der Eigenständigkeit! Die landschaftlichen Klanggebilde der einzelnen Slaughtercult Werke umfasst verschiedene Zustände. Einige sind in Ihrer Natur "zerfetzt". Sie tränken den Boden regelrecht mit Blut - der Essenz des Lebens. Die Nachtschwarzen Meere der Wälder erzeugen wohlmöglich eher die Atmosphäre zu den guten alten Skandinavischen Zeiten. Thrash oder "Darkthrone" lastige Death'n'Roll Elemente sind eher selten vorhanden, allerdings ist der Vergleich hier nur bedingt angebracht. In der Regel ist und bleibt Slaughtercult eine "rasante Horde". Man sollte nicht mehr und nicht weniger erwarten als ehrlichen ursprünglichen Black Metal - mit allem was da zu gehört!

5b. Generell steht ihr für BM der alten, straight forward Schule. Bedeutet dies im Gegenzug, dass ihr technisch verspielten BM, BM mit Keyboards und Bombast oder gar BM mit Goth-Elementen überhaupt nicht mögt?

DNS: Nicht die Bezeichnung einer musikalischen Richtung ist relevant, sondern die "Musik" selbst. Kunst ganz allgemein benötigt einen gewissen Geist, der Ihr inne wohnt. Ist der Hörer, Leser oder Betrachter in der Lage den ursprünglichen Gedanken des Künstlers aufzugreifen, gar ihn eigenständig neu zu formen, zu begreifen, so kann es Ihm gleich sein ob er einem "sommerliche Sonnenaufgangsszenario" oder der Endzeit eines erloschenen Universums beiwohnt. Musik ohne diesen Geist - so ist es leider - trifft eine Vielzahl der "Bands" jeder Stilrichtung. Blasse Gesichter die sich in leere Worthülsen kleiden. Alben wie Emperor's "…Nightside Eclipse" oder Kvists "For Kunsten…" - ein wichtiges Element sind "Keyboards". Es ist einfach eine Frage der Art und Anwendung!

6. Wie viel Menschen wundern sich regelmäßig, dass ihr eine Sängerin habt. Auf "Noc. March" erkennt man dies erst nach der guten Hälfte der CD, wenn einige beinahe-klare Gesangspassagen kommen. Wird euch Onielar als Vor- oder Nachteil ausgelegt? Bitte beschreibe Onielar aus musikalischer und aus menschlicher Sicht.

DNS: Beinahe-klare Gesangspassagen??? Bei D.N.S.?? Mit Sicherheit nicht! Um es ohne grossartige ausschmückende Worte zu sagen: "Es ist uns absolut Scheissegal man uns ‚Onielar' als Vor oder Nachteil auslegt!". Slaughtercult besteht aus vier Individuen - zusammen stehend Schulter an Schulter, Schwert bei Schwert und Axt bei Axt. All die dreckigen Menschlein, die mit Ihrer Geschlechterreduzierung denken, haben den Sinn Slaughtercults nicht begriffen. Aus musikalischer Sicht betrachtet übertrifft Onielars "Gesang" spielend einen Grossteil der internationalen Szene. Dies nicht sagend aus falscher Überheblichkeit sondern dem Fakt, dass Ihre Art der Band selbst noch einen gewissen Charakter aufdrückt. Ein Vergleich um den Sinn der zu vorigen Aussage einwenig zu erhellen: höre Dir eines der neueren Immortal Alben an. Sofern die Pre- Battles Zeiten für dich Immortal sind, wirst Du sagen: das kommt mir irgendwie bekannt vor, keine Ahnung welche Band - aber die Stimme IST von Abbath. Die "Stimme" ist die audio-(visuelle) Darstellung der lyrischen Inhalte. Ist sie Charakteristisch verleiht es der Horde eine eigene Note. Aus "menschlicher" Sicht - wir erachten das Wort "Mensch" aufgrund unserer eigenen Definierung als etwas Abwertendes. Wir bereits erwähnt sind es vier Individuen - das was Du Live erlebt hast entspricht voll und ganz unseren "Sein". Das was Du als bildliche Veranschaulichung in den Booklets siehst, auf den Alben hörst - all das ist Slaughtercult. All das ist Onielar , Velnias, Emporonorr und Horrn - kein Soloprojekt, sondern eine Black Metal Horde!

7. Mit "The Dead Hate The Living" ist euch ein richtiger Hit - im Sinne von Ohrwurm - gelungen. Könnte ein Song wieder dieser eure Zukunft sein, sprich: hin wieder Verschleppung des Tempos gen schweres Midtempo?

DNS: "The Dead Hate the Living" hat einen verflucht skandinavischen Anstrich erhalten. Es unterscheidet sich nicht grossartig von anderen Stücken. Ein jeder hat seine Vorlieben innerhalb und ausserhalb der Band - doch wirst Du unweigerlich bei den Vorgänger Alben ebenso an Stücken wie "Pestilential Deathride" oder "Slaughtercult" hängen bleiben. Das neue Material ist wie gewohnt eher im schnellen Tempo anzusiedeln, doch werden weder die "Thrash" Elemente noch die "Pestilential …" Mittelteile fehlen.

8. Black Metal aus Deutschland gilt in anderen Ländern nicht gerade als Qualitätsmerkmal. Stört dich das, oder ist dir Denken in Landesgrenzen und Genres generell fremd? Welche deutschen Black-Metal-Bands verdienen es, an dieser Stelle genannt und gelobt zu werden?

DNS: Welche ach so glorreiche Szene ist den die "Beste"? Aus Norwegen, Brasilien, Frankreich - aus jedem gottverlassenen Kontinent kommt ebenso viel inhaltlicher Dreck wie aus Deutschland. Die "Szene" ist ein fauliger Morast überschwemmt von überflüssigen Veröffentlichungen. Knieftief in der Scheisse muss man sich vorankämpfen um irgendwo im dämmrigen Lichtstrahl ein kleines "Juwel" zu entdecken. Um jede Horde schert sich eine eigene Szene - die Formationen, von denen wir als "Bereicherung" sprechen würden, kennen uns persönlich und benötigen keinerlei "Veröffentlichung". Erkämpfe Dir das "Lob" oder die "Verdammung" selbst.

9. Mit schlichtem Artwork, Schwarz-Weiß-Gestaltung, eine Antipathie gegen Vierfarbwerbung in Magazinen usw. bekennt ihr euch zum Underground, und ihr steht auch in dem Ruf, nicht nach komerziellem Erfolg zu streben: Was bedeutet dir der BM-Underground, was gefällt dir an der derzeitigen Szene nicht, was verachtest du?

DNS: Slaughtercult bekennt sich zu nichts und niemanden außer sich selbst. Der freie Wille trifft zu jeder Zeit eine Entscheidung darüber welchen Pfad er nun nehmen möchte. Stets individuell ausgeprägt verläuft dieser Pfad gegebenenfalls parallel zu einer allseits bekannten Richtung. Nenne Sie Underground, Kommerz oder irgend ein Zwielicht dazwischen. Es gibt keinen Reichtum, keinen Glanz und definitiv keinen Ruhm mit extremer Musik. Obwohl nicht ganz! Es gibt einen "Reichtum", doch das ist die Essenz die der gewillte Hörer oder Erschaffer aus der "Musik" bezieht. Eine Erfahrung die man mit keinem der weltlichen Schätze aufwiegen kann! Die Bezeichnung Underground sollte man gewiss nicht auf einen gewissen Grad an Bekanntheit oder gar an Verkaufszahlen festmachen. "Underground" ist viel mehr eine innere Einstellung, die sich selbst bei vollem kommerziellem Erfolg nicht ändert. Das "Sein", das gekrönte "Ich" ist und bleibt sich selbst treu - es zieht seine konzentrischen Bahnen über dem ordinären Menschen. Wie bereits erläutert kannst Du innerhalb einer Szene noch tiefer graben und Du wirst innerhalb des Untergrunds auf eine neue Ebene stossen. Ein unwillkürlich verzweigtes System, dass ähnlich den verworrenen Gedankengängen der Suchenden auf einer komplexen Individualität aufbaut. So haben wir uns ebenfalls einen kleinen elitären Kreis erschaffen, der voll und ganz unserem Sinn und Zweck entspricht. Ein Gedanke über diese Grenze hinaus, ist ein verschwendeter Gedanke. Es gibt eine "heile Welt" - grabe tief genug, falle in den bodenlosen Abgrund - steige nicht wie der Phönix aus der Asche sondern verweile in Ihr!

10. Einen immer größer werdenden Teil des Black-Metal-Undergrounds nimmt die neofaschistische NSBM-Bewegung ein. Wie groß ist der Schaden, den diese Bands und ihre Anhänger dem Black Metal und dem Metal allgemein zufügen? Wie sollte man mit dieser "Szene innerhalb der Szene" umgehen?

DNS: Es gibt einen einfachen Grundsatz. Das was Dir nicht gefällt kannst Du versuchen mit aller Macht zu stoppen, oder Du nimmst Abstand von dem ganzen, bewahrst Dir deine eigenen Werte und wirst so mit der Qualität einer extremst reduzierten Quantität "seelig". Black Metal lässt sich durch Politische Propaganda missbrauchen - eine abartige Prostitution nicht aufgrund der extremen Ideologie sondern einzig aufgrund dessen, dass dies durch menschen geschaffenen Politk erfolgt. Es ist eine sinnlose Frage ob man nun NSBM oder verfilzte Zecken, oder dann doch lieber den Party Liebenden Wochendalkoholiker Metaler verachten soll. Der Weg der geistigen Reife verläuft spiral-förmig einer Pyramide gleich empor. Der Weg wird zunehmendst einsamer und einsamer und einsamer…

11. Metal hat - im Gegensatz zu anderen Musikstilen - eine große und recht gut funktionierende Infrastruktur mit vielen Fanzines, Onlinemedien und Magazinen. Werden diese Medien deiner Meinung nach ihrer Aufgabe gerecht, oder hast du Kritikpunkte an der Metalpresse? (bitte um klare Meinung, auch wenn das Rock Hard nicht besonders gut dabei wegkommen sollte...)

DNS: Durchaus richtig - solltest Du Information bzgl. einer Band suchen, so kannst Du diese in tausendfacher Ausführung nachlesen. Welche Aufgaben haben den die Medien? Informierung der Massen? Was macht den die Presse so grossartiges für den Metal? Wir gehören zu der Kategorie die allerhöchsten die ersten Ausgaben der "Ablaze" im Schrank aufbewahrt. Anderweitig gibt es hier und da im Underground lobenswerte "Magazine". Durch die in der Zahl eingeschränkte Leserschaft mangelt es hier an den finanziellen Möglichkeiten für eine "hochglanz Aufmachung", doch sind diese handvoll Seiten beinahe wörtlich mit dem Blut des Herausgebers inhaltlich interessanter geschrieben. Du möchtest eine ehrliche Meinung zum RockHard? Ein die gleiche Liga kannst Du das Legacy und wie sie nicht noch alle heissen stecken! 80% Prozent der jeweiligen Inhalte ist für uns einfach nur belanglos. 10% sind Lachnummern - da hier immer wieder die Labels Ihre Vertragspartner als großartigste Black Metal angepreisen, das ganze Illustriert mit schön zurecht gemachten Bildern des letzten Fotografen Besuchs. Bah, so eine polierte Scheisse. Nein Danke. Sollten jemals die Tage eines Slayer Magazines wieder kommen - ALLE skandinavischen Black Metal Bands schlecht hin vereint in einer Ausgaben - dann werden wir die ersten sein die ein Abo abgeben. Um das Ganze noch eine Stufe höher zu treiben. Egal auf welchem Sampler, egal von welchem Magazin, es ist absolut selten mal ein Stück dabei was wirklich und wahrhaftig unseren Geschmack trifft. Hier treffen Welten aufeinander die Gelegentlich mit Sicherheit einen Austausch vornehmen werden, doch in Ihren Grundzügen kann die eine ohne weiteres ohne die andere leben … und umgekehrt.

12. Ältere Semester sind der Meinung, dass Bands wie Venom, Mercyful Fate oder Hellhammer und alte Sodom maßgeblich für den Black Metal waren und sind. Jüngere Semester behaupten das Gleiche von Bathory und Darkthrone. Wer hat Recht?

DNS: Wen interessierts?! Die Liste der so genannten Vorväter des Black Metals ist ewig lang. Das ausschlaggebende Kriterium kann in vielerlei Hinsicht gewählt werden. Sei es textlich, musikalisch oder Imagemässig - stets wird das Resultat ein anderes sein. Dies sind nur die bekannten massenkompatiblen Namen - ebenso bekannt und dennoch nicht weit verbreitet ist Polens "KAT". Ohne weiteres können sich solche Bands in die Auflistung einreihen!

13. Etwas Bandbiografie: Seit wann gibt's die Band, wer war der Initiator, wie alt seid ihr, gab es ein musikalisches Leben vor der Band, was macht ihr im realen Leben - Schule, Job, etc;

DNS: Die Gründungsmitglieder Onielar (Vox + Git) sowie Ariovist (Drummer auf "The Pest Called Humanity" beschwörten "Darkened Nocturn Slaughtercult" in den welkenden Monaten 1997 herauf. Als Quasi-Gründungsmitglied stiess Velnias nach 6 Monaten hinzu. 1999 wurde das erste Kapitel als mCD "The Pest Called Humanity" veröffentlicht. Zu dieser Zeit starb Ariovist den musikalischen Tod. 2001 erblickte das zweite Kapitel "Follow the Calls for Battle" das hässliche Antlitz der Menschheit. Horrn besetzte mit Beginn der Aufnahmen bis Dato erfolgreich den freien Schlagzeugthron. 2002 wurde mit Emporonorr als Bassist das erste komplette "Vollzeit" Line-Up gefunden. Dieses Lineup verewigte 2003 das mLP Tribut an die Polnische Erde "Underneath Stars of the East". 2004 folgte das aktuelle dritte Kapitel "Nocturnal March". ... the slaughter will continue !!! Laut unserer Auffassung sind das die einzig relevanten Angaben zu einer Band-Biografie. Den Rest der Frage sollten man denen stellen, die sich gerne im Rampenlicht positionieren. Unheimlich von sich als MENSCH überzeugt sind, und nichts lieber haben als sich mitzuteilen! Slaughtercult ist eine verfluchte Black Metal Horde - wenn interessiert es da was wir im Alltag ertragen müssen um einen gewissen Lebensstandard in diesem ach so glorreichen Land erhalten zu können?!

14. Deine 5 Lieblingsplatten aller Zeiten

DNS: Immortal "Pure Holocaust" Kvist "For Kunsten Maa Vi Ewig Vike" Kreator "Pleasure to Kill" Ulver "Bergtatt" Ancient "Svartalsheim"

15. Wenn die Rock-Hard-Leser noch etwas unbedingt erfahren sollten, dann ist hier der Platz dafür:

DNS: ...

 
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